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2.Besinnung: Wie kann die Basis des Terrors geschwächt werden? Oktober 2001

3.Predigt Erntedankfest 2001 "Leben im Schatten"

3.Die Angst vor Homosexualität und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften (Januar 2004)

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Diskussion um Afghanistan
Die zurückgetretene EKD-Vorsitzende Dr. Margot Käßmann hat in ihrer Neujahrspredigt in der Dresdner Frauenkirche zugespitzt formuliert: „Viele verschicken Neujahrskarten mit der Aufschrift: ,Alles wird gut’… Aber es gibt vieles, was nicht gut ist. Die Kinderarmut bei uns ist nicht gut… Und: nichts ist gut in Afghanistan.“

Margot Käßmann hat mit dieser Formulierung die deutsche Öffentlichkeit aufgeschreckt. Viele von uns hatten das Gefühl, die Bundeswehr und die NATO machen einen guten Job in Afghanistan. Sie tun etwas gegen den Terrorismus, der uns bedroht, und sie helfen der Bevölkerung dabei, aus Armut und Elend herauszukommen.

Margot Käßmann hat jedoch Recht: die Wirklichkeit ist nicht gut in Afghanistan. Nach neun Jahren militärischem Eingreifen der NATO sind die Terroristen von El-Kaida zwar aus Afghanistan vertrieben, aber stattdessen aktiv in Pakistan, im Jemen und in anderen Ländern. Nach neun Jahren militärischem Kampf und zivilem Wiederaufbau sind die Taliban in Afghanistan wieder erstarkt. Führende Politiker rechnen damit, dass bei einem Abzug der NATO die Taliban in zwei Monaten die Macht dort wieder erobert haben würden. Das militärische Vorgehen führt zu zahlreichen zivilen Opfern und Zerstörungen – der Hass gegen die NATO-Länder steigt, auch gegen die Bundeswehr nach dem Bombardement von Kundus.

Und auch der zivile Aufbau nach neun Jahren ist nach dem aktuellen UNO-Bericht nur in wenigen Bereichen erfolgreich. In vielen Bereichen dagegen hat sich die Situation verschlechtert: der Grundschulbesuch von Kindern hat sich verbessert von 54 auf 60%; die Alphabetisierung der Bevölkerung von 34 auf 36,5%; die Kindersterblichkeit ist von 257 auf 191 bei 1000 Neugeborenen zurückgegangen; der Zugang zu Wasser ist von 23 auf 41,4% der Menschen gestiegen. Dagegen stehen folgende Verschlechterungen: Anstieg der Menschen unter der Armutsgrenze von 33 auf 42%; statt 30 sind jetzt 39% unterernährt; nur noch 5,2% der Bevölkerung haben Zugang zu sanitären Einrichtungen statt vorher 12%; vor neun Jahren lebten 2,4 Millionen Menschen in Slums, heute sind es 4,5 Millionen; die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen stieg von 26 auf 47% an; der Anbau von Rauschgift vergrößerte sich: statt 131.000 ha Mohn werden jetzt 193.000 ha geerntet.

Zu Recht hat Frau Dr. Käßmann auch kritisiert, dass finanziell das Militärische bisher im Vordergrund steht. Bisher setzten die USA zehnmal mehr Geld für das Militär als für die Entwicklungshilfe in Afghanistan ein. Auch Deutschland gab viermal mehr Geld für das Militär als für zivile Entwicklung aus.

Es ist mutig und gut, dass unsere ehemalige Bischöfin Probleme anspricht, die von vielen verdrängt werden. Und es ist zu hoffen, dass die Politik gegenüber Afghanistan sich wirklich nachhaltig verbessert und verändert.

2.Besinnung: Wie kann die Basis des Terrors geschwächt werden?

Wenn wir über den Terror reden, dann ist bisher fast ausschließlich von polizeilichen, geheimdienstlichen und militärischen Gegenmaßnahmen die Rede. Aber: Selbst wenn diese Anstrengungen erfolgreich sind, wenn z.B. Bin Laden gefangen oder getötet wird, wird es neue Terroristen geben. Warum? Weil viele intelligente, aber verzweifelte, nach Gerechtigkeit hungernde Menschen keinen anderen Weg sehen, als mit der Waffe des Terrors den Westen zu demütigen, uns zu schaden, eben zu terrorisieren. Viele sehen keinen anderen Ausweg, um die Situation der Armen in den islamischen Ländern zu verändern. Denn sie geben dem Westen die Schuld an der herrschenden Misere.

Ähnliche Sichtweisen hatten die Terroristen der RAF und ihre Sympathisanten in den 70-er und 80-er Jahren. Doch hier ist es gelungen, die RAF auszutrocknen, und zwar nicht nur polizeilich und geheimdienstlich, das zwar auch, aber der Nachwuchs wurde anders abgeschnitten. Nicht durch Einschüchterung, sondern dadurch, dass sich durch die Erfolge der Friedensbewegung und der damaligen Grünen der Weg der friedlichen Umwälzung als möglich erwies und die Gewalt sich sichtbar und erfahrbar für viele als falsch herausstellte. Genau diese Erfahrung wiederholte sich in den Ostblockländern mit ihren friedlichen Revolutionen.

In den islamischen Ländern ist das jedoch völlig anders. Bisher hat der Westen alles getan, um solche friedlichen Revolutionen in islamischen Ländern zu verhindern. In Algerien wurde die legitime Wahl der gemäßigten Islamisten mit Hilfe des französischen Geheimdienstes durch einen Putsch verhindert. In Palästina wurde der Friedensprozess von Israel mit amerikanischer Hilfe zerstört. In den meisten islamischen Staaten sind keine Wahlen durch das Volk möglich, die islamistischen Massenbewegungen werden unterdrückt, und die Herrschaftshäuser werden vom Westen gestützt und hofiert. Nur der Iran hatte eine erfolgreiche islamistische Volksrevolution, und dagegen hat der Westen interessanterweise den Irak aufgerüstet, den bösen Saddam Hussein erst stark gemacht.

Könnte es sein, dass aus Angst vor ähnlichen Entwicklungen wie im Iran der Westen sich die Terroristen selbst heranzüchtet? Dabei wären mehr Regimes wie im Iran für uns sicherlich berechenbarer als die jetzige völlig undurchschaubare Terrorlage.

Für mich ergibt sich daraus, dass unsere christlichen Kirchen versuchen sollten, mit der iranischen Variante des Islam viel stärker ins Gespräch zu kommen als bisher, weil sich hier – bei allen Problemen – doch eher das Volk beteiligt als in anderen islamischen Ausprägungen. Vielleicht könnten sich die USA und unsere Regierung Rat holen beim Iran, wie aus der Spirale von Terror, Militärschlägen und Gewalt ausgestiegen werden kann und wir wieder einigermaßen friedlich leben können.

Nachwort: Dieser Text sollte als "Wort zum Sonntag" in den "Ostfriesischen Nachrichten" an einem Oktobersamstag 2001 veröffentlicht werden. Am Freitag Mittag fand ich auf dem Anrufbeantworter die ON-Redaktion mit der Bitte um Rückruf. Ich rief gleich zurück, der zuständige Redakteur rief erst kurz vor 15 Uhr auf mein Handy zurück. Er sagte, sie könnten diesen Beitrag nicht bringen, es sei keine Besinnung. Ich sagte, für mich sei es sehr wohl eine Besinnung, das Ordnen von Gedanken würde mir helfen, mit der Angst fertig zu werden. Er sagte, es handele sich um einen Kommentar, als Beispiel brachte er den Satz „In Palästina wurde der Friedensprozess von Israel mit amerikanischer Hilfe zerstört." Ich war telefonisch bereit, wegen möglicher Missverständnisse das Wort „Hilfe" durch das Wort „Duldung" zu ändern. Er sagte, das reiche nicht aus, es müsse völlig neu geschrieben werden, weil viele Behauptungen von mir nicht nachprüfbar seien. Außerdem würde die Zeitung und würde auch ich viel Ärger bekommen.

Ich fragte ihn dann, wann die absolute "deadline" sei, ich könnte frühestens 19 Uhr etwas neues schreiben. Das war ihm zu spät, er wollte versuchen, woanders ein Wort zum Sonntag zu bekommen, sonst müsste es diesmal ausfallen...

3.Predigt Erntedankfest 2001 "Leben im Schatten"

Liebe Gemeinde!

Der alte Priester Eli hatte seine wichtigsten Berater gerufen, um mit ihnen zu klären, wie sie in diesem Jahr das Erntedankfest feiern könnten. Zu ihm waren gekommen: der junge Sänger Daniel, der Prophet Natan und die weise Frau Hulda. Die Frau des Priesters brachte den Tee, schenkte ein und verließ wieder den Raum.

Der alte Eli begann: „Ihr wisst, was passiert ist, vor 6 Wochen erst kam großes Leid über unser Nachbarvolk, mit denen wir verbündet und verbunden sind. Der große Tempel in der Stadt Schilo ist zerstört, zerstört durch einen einzigen Mann, einen Feind, der sich selbst dabei umgebracht hat. Es waren Tausende im Tempel und sie kamen in den Trümmern um, als dieser Feind die tragenden Säulen einstürzen ließ. Ein einziger hat so viel Unheil angerichtet! Alle hielten ihn für harmlos, nachdem er sein Augenlicht verloren hatte. Doch er war gerade noch gefährlicher geworden. Viele haben Angst, auch bei uns könnte so etwas geschehen, gerade jetzt, als der Rachefeldzug begonnen hat, bei dem auch einige unserer Soldaten als Kundschafter tätig sind. Können wir, die wir den Schmerz mitfühlen, da überhaupt noch singen und feiern, können wir uns noch freuen, oder sollten wir unser großes Erntedankfest in diesem Jahr nicht besser ausfallen lassen, bis der Tod der vielen gerächt ist? Bis der Rachefeldzug siegreich beendet ist?"

Die drei Gäste des Priesters antworteten nicht sofort. Sie rührten ihren Tee, setzten die Tassen an den Mund und schwiegen. Sie wussten, der alte Eli liebte es nicht, wenn zu schnell etwas gesagt wurde. Doch der junge Daniel konnte nicht allzu lange an sich halten fing als erster an zu reden. Er merkte gar nicht, dass die älteren die Stirn runzelten. Aber sie ließen ihn gewähren, sie waren froh, dass einer den Anfang machte, denn das Schweigen war nicht angenehm, es war keine echte Ruhe, sondern es verbargen sich Angst, Ohnmacht, Wut und Verzweiflung dahinter.

Also begann der junge Daniel: „Entschuldigt, dass ich als der jüngste anfange zu reden. Aber dieses Schweigen bedrückt mich. Und so geht es vielen Menschen. Wir dürfen uns nicht von Terror und Todesangst beherrschen lassen, und deshalb müssen wir singen, vielleicht nicht nur die alten Lieder singen, sondern neue Lieder! Aber wir müssen singen, denn Singen befreit!"

Die weise Frau Hulda nickte. Daniel hatte ihr aus der Seele gesprochen. Und so sagte sie: „Das stimmt, das meine ich auch. Wir müssen singen. Aber hast du denn ein neues Lied?"

Alle schauten Daniel an, er wurde ein bisschen rot, aber er griff in seine Leinentasche und holte eine Schriftrolle heraus, dort hatte er sein neues Lied aufgeschrieben. „Lies es uns vor, Daniel!" sagte der alte Eli.

Daniel rollte das Schriftstück auseinander und las vor:

„Leben im Schatten, Sterben auf Raten. Haben wir was davon?                                   Hass und Empörung, Leid und Entbehrung. Ist das die Endstation?
Während die Fragen noch an uns nagen, kommt einer her und ruft:                              Lasst doch das Klagen, lasst es euch sagen: Freude liegt in der Luft!"

Der Prophet Natan, der bisher geschwiegen hatte, meldete sich zu Wort. „Das hört sich interessant an, Daniel. Leben im Schatten, da können sich die Leute vieles vorstellen: die Terroristen leben im Schatten, keiner kann sie sehen; oder die Armen und Unterdrückten, die Witwen und Waisen, auch die sind im Dunkeln und keiner sieht sie. Sterben auf Raten. Auch das drückt das Lebensgefühl aus, das viele Menschen verspüren. Sterben auf Raten: immer wieder könnte etwas passieren, etwas Schreckliches, Unvorhergesehenes, auch wieder auf beiden Seiten: durch die Terroristen, aber auch auf Seiten der Armen, die sich die moderne, teure Medizin nicht leisten können. Sterben auf Raten. Das trifft es. Hass und Empörung, auch das ist auf beiden Seiten vorhanden. Leid und Entbehrung. Du hast in wenigen poetischen Worten diese Welt so beschrieben, wie es viele Leute empfinden, Daniel. Das ist hervorragend. Und dann die Frage: Ist das die Endstation? Ist das alles? Kann das alles sein? Während die Fragen noch an uns nagen – und sie nagen wirklich an uns! – da kommt einer her und ruft: ‚Lasst doch das Klagen, lasst es euch sagen: Freude liegt in der Luft!’ – Hm, das verstehe ich nicht, wieso kommt einer her und ruft: ‚Lasst doch das Klagen, lasst es euch sagen: Freude liegt in der Luft!’?"

Wieder blickten alle auf Daniel. Wieder wurde er rot. „Ich weiß nicht, warum das Lied so weitergeht, es kam einfach so über mich. Ich wurde von meinem eigenen Lied mitgenommen, oder ist es nicht mein eigenes Lied, singt da etwas anderes in mir?"

Die weise Hulda lächelte: „Vielleicht hast du, Daniel, auch etwas von einem Propheten in dir. Vielleicht hat Gott durch dich gesprochen. Deshalb konntest du das nicht erklären."

Der Prophet Natan sagte: „Vielleicht will Gott wirklich, dass wir uns nicht an Hass und Empörung, an Vergeltung und Rache festklammern, sondern dass wir den Blick wieder frei kriegen für Gottes großes Fest. Das Fest seiner Schöpfung, zu dem er uns einlädt.

Gott lädt uns ein zu seinem Fest, lasst uns gehn                                                         und es allen sagen, die wir auf dem Wege sehn.                                                           Gott lädt uns ein, das haltet fest, wenn wir gehn.
Worauf noch warten, warum nicht starten, lasst alles andre stehn!"

Die Stimmung hatte sich verändert. Die Angst und Unsicherheit war gewichen, die vier Berater hatten wieder Mut gefasst, Eli sagte: „Ja, so sollte das Lied weitergehen, dieses neue Lied werden wir auf unserem Erntedankfest singen, dadurch bekommen wir neue Kraft und neuen Mut, wir spüren, dass Gott uns auch in diesen schwierigen Zeiten trägt und hält. Ich danke euch allen für euren Rat und euren Zuspruch. Ich spüre, dass Gott lebendig ist, mitten unter uns ist. Jetzt möchte ich, dass wir dieses neue Lied zusammen singen und dass wir dann auch das alte Erntedanklied wieder zusammen beten." Amen.

4.Die Angst vor Homosexualität und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften

Beobachtungen und grundsätzliche Überlegungen zum besseren gegenseitigen Verständnis

Fast alle männlichen Kinder und Jugendlichen vermeiden oder tabuisieren ein Verhalten, was auch nur entfernt an gleichgeschlechtliche Liebe erinnern könnte: ganz anders als bei Mädchen und Frauen sind Berührungen, Händchen-Halten, zärtliches Streicheln bei Jungen und Männern verpönt, und wer diese Grenze überschreitet, wird von der Gruppe der Gleichaltrigen sehr abfällig als „schwul" bezeichnet. Das ist nicht nur anerzogen, sondern das sitzt sozusagen in den männlichen Heranwachsenden festverankert drin.

Woher kommt das und warum ist das bei Mädchen anders?


Bild: Wienke Treblin

In Gefängnis-Filmen kann man gelegentlich Szenen sehen, wo Männer andere Männer vergewaltigen. Diese Männer-Vergewaltigung dient in erster Linie dazu, den anderen zu demütigen und ihm zu zeigen, dass er nichts zu melden hat, wenn er sich nicht an die Knast-Regeln hält (ähnlich übrigens wie sich Zuhälter ihre Prostituierten gefügig machen). Eine ähnliche Szene schildert auch die Bibel im 1.Buch Mose 19,5 in der Stadt Sodom, wo die beiden fremden Männer, die Lot besuchen, in der Gefahr stehen, von der aufgehetzten Menge vergewaltigt zu werden. Offensichtlich war es in alten Zeiten weit verbreitet, fremde oder im Krieg unterlegene Männer zu vergewaltigen, sie so zu demütigen und ihre Persönlichkeit zu brechen (auch Frauen hat „man" immer wieder aus ähnlichen Gründen vergewaltigt, in den Augen Lots war das offensichtlich weniger schlimm, wie die Fortsetzung der biblischen Geschichte zeigt). Auf der anderen Seite können Frauen ohne Scheu ihre Zuneigung zu ihren Freundinnen auch körperlich zeigen, weil sie nicht befürchten müssen, von einer Frau vergewaltigt zu werden. Vergewaltigung durch Frauen kommt und kam als kollektive Verhaltensweise nicht vor.

Tief in vielen Männern muss sich die Angst, vergewaltigt zu werden, die Angst vor Demütigung und Niederlage als Angst vor jeder Art von Homosexualität festgesetzt haben. So ist denn auch das biblische Verbot der Homosexualität zu erklären. Biblische (wie auch andere religiöse) Offenbarungen, Visionen, Gebote sind oftmals aus dem menschlichen Unbewussten als zwingende, faszinierende Botschaft erfahren worden – sie wurden so Gott zugeordnet – aber es war durchaus später strittig, ob es wirklich eine göttliche Botschaft war. Das Verbot von homosexueller Vergewaltigung wäre auf jeden Fall ein Fortschritt gewesen hin zu mehr Menschlichkeit, dadurch dass dieses Verbot sich auf jede Form der Homosexualität bezog, wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Jesus jedenfalls hat nicht einfach jede biblische Vorschrift als göttlich akzeptiert. So hat Jesus zum Beispiel die biblischen Speisevorschriften außer Kraft gesetzt, er hat massiv dagegen argumentiert, dass Krankheit eine Strafe Gottes für die Sünden der Eltern sei – alles das galt vorher als göttliches Gesetz. Die evangelischen Kirchen haben in diesem Sinne die biblische Tradition, keine Frauen als Priester und Pastorinnen zu haben, überschritten, weil sie erkannten, dass Gott keine Unterschiede macht zwischen den Geschlechtern. Anfangs rief das ebenso starke Ängste bei vielen Christen hervor wie heute die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, und es kam auch hier zu massiven Konflikten. Heute sind die Pastorinnen jedenfalls in unserer Kirche selbstverständlich.

So gesehen ist es unsere Aufgabe, immer wieder zu prüfen, ob Sittengesetze menschlich sind oder unmenschlich. Entscheidend dabei ist: Ist Homosexualität von Erwachsenen, die keine Gewalt anwenden, sondern die sich lieben, schädlich? Wenn die Kirche und wenn Christen sich zu Recht gegen die Herabsetzung und Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften wenden, dann ist es unlogisch, wenn sie die Segnung einer solchen Partnerschaft ablehnen. Und das Argument, dass eine Ehe nur dann eine Ehe ist, wenn sie offen ist für Kinder, dieses Argument unterläuft sogar die katholische Kirche selbst, indem sie auch älteren Menschen den Segen spendet, die keine Kinder mehr haben können.