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Ein anderer verlorener Sohn - die Geschichte eines 30-jährigen Drogenabhängigen

Lukas 15: Und Jesus sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Diese Geschichte, die Jesus erzählt hatte, geht einigermaßen gut aus. Die Geschichte von Mario müssen wir leider etwas anders erzählen.

Ein Mensch hatte zwei Söhne und eine Tochter. Er war selbst nicht lebenstüchtig, war als Vater nicht präsent, und dann starb seine Frau und so waren die Kinder ohne Eltern. Der ältere Sohn streunte mit dem jüngeren Mario durch die Stadt, die kleine Schwester hatte das Glück, in einen Ganztags-Kindergarten gehen zu können. Nach einiger Zeit schritt das Jugendamt ein, und die beiden jüngeren Geschwister kamen gemeinsam in ein Kinderheim, der ältere Bruder in ein anderes Jugendheim. Heime sind auf die Dauer nicht der beste Ort für Kinder. Deshalb kamen die beiden jüngeren Kinder, die inzwischen sehr aneinander hingen, in eine Pflegefamilie nach Friedeburg, damals in den Geescheweg.

Mario war 11 Jahre alt. Er kam erst einmal auf die Sonderschule in Friedeburg und fühlte sich in Frau Krügers kleiner Klasse sehr wohl. Von seiner Intelligenz her kein Sonderschüler wurde er dann in die 4.Grundschulklasse umgeschult, durchschnittlich zwei Jahre älter als seine Mitschüler. Jungen haben es schon an sich schwerer in der Schule, weil für ihre stärker körperbetonten Bedürfnisse zu wenig sinnvoller Lehrstoff angeboten wird – Mario war ein sehr praktisch begabter Junge, das Basteln mit Legosteinen mit oder ohne Jan-Henrik etwa konnte ihn stundenlang fesseln und begeistern – aber dieses Fach gab es leider nicht in der Schule, und wenn die anderen in der Klasse viel jünger sind, verschärft sich dieses Problem noch, es sind einfach keine gleichwertigen Partner etwa zum Rangeln und Raufen da. Sport konnte für ihn auch nicht den notwendigen Ausgleich bieten, Tauchen wollte er sehr gerne, aber die seine Ohren ließen das nicht zu. Kampfsport erschien zu gefährlich. Malen war gut für ihn, aber auch das ist leider kein Hauptfach in der Schule.

In dieser Situation verließ der Pflegevater die Familie. Die Geschichte bei Jesus geht vor allem deshalb gut aus, weil der Vater unglaublich verlässlich ist – von Anfang bis zum Ende. Mario erlebte zweimal die Enttäuschung eines nicht verlässlichen Vaters. Die männlichen Lehrer in der Schule konnten nicht diese Rolle ausfüllen, und die vielleicht mögliche Hilfe durch einen Kinderpsychologen kam nicht zum Zuge, weil dieser Psychologe Marios Widerstände nicht konstruktiv aufgriff, sondern die Therapie abbrach. Dass Mario misstrauisch gegenüber männlichen Helfern war, ist nach dieser Vorgeschichte nur allzu plausibel. Dieses Misstrauen übertrug sich auf die Schule generell, an eine Lehrstelle war kaum zu denken – obwohl er das Potential gehabt hätte, wenn er körperlich gefordert gewesen wäre und einen für ihn sinnvollen Rahmen gefunden hätte – das zeigt seine erfolgreiche kurze intensive und harte Arbeit in einer Wiesmoorer Gärtnerei, um sich ein Nintendo-Gerät leisten zu können.

Mit 16 Jahren wurde er aus der 7.Klasse Hauptschule ausgeschult, die Klassenlehrerin kam nicht mehr mit ihm klar.

Jetzt kommt eine Parallele zur Jesus-Geschichte. Dort heißt es: Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.

Mario ging ohne materielles Erbteil weg von seiner Pflegemutter und seiner Schwester. Er geriet in die Drogenszene und hatte zeitweise viel Geld. Er sagte mit einem verzweifelten Stolz: „Ich weiß die Lücken des Gesetzes zu nutzen. Einer wie ich tut, was er will.“ Er war jedoch selbst drogenabhängig, und so verelendete er, nahm nur halbherzig Hilfsangebote an, weil er Angst davor hatte, einen radikalen Schnitt zu machen.

Der folgende Gedanke des Sohnes in der Jesusgeschichte war ihm durchaus vertraut: "Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater."

Auch Mario ging in sich, und er dachte an seine Pflegemutter. Und er kam wieder zu ihr, aber immer nur dann, wenn es ihm einigermaßen gut ging, wenn es schlimm war, dann schämte er sich zu sehr – den radikalen Schnitt konnte er leider nicht schaffen, dennoch war es für ihn ein zeitweises Atemholen, eine Vorbereitung für die letzte Reise. Auch der Kontakt zu seiner jüngeren Schwester kam wieder zustande.

Aber seine körperliche Verfassung wurde immer schlechter. Jetzt – im letzten Jahr – war er bereit für eine Therapie in Schwanewede. Zum ersten Mal seit langer Zeit war er clean, schrieb ergreifende Briefe. Ihm wurde klar, dass er nie wieder gesund werden könnte; ein solches gehandicaptes Leben wollte er nicht – Mario entschied sich, zu einem anderen Vater zurückzugehen, zu dem Vater, den auch Jesus in seinem Gleichnis gemeint hat. Seine Schwester verhielt sich anders als der ältere Bruder im Jesusgleichnis. In den letzten Tagen seines Leben begleitete ihn seine Schwester rund um die Uhr im Krankenhaus auf dem Weg hinüber in die andere Welt. Auch seine Therapiebrüder kamen jeden Tag, um ihn zu besuchen und waren sichtlich erschüttert über seinen Tod.

Jetzt steht Mario vor diesem anderen Vater. Er wird zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber dieser andere Vater spricht auch jetzt zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie werden fröhlich sein.

Die Hölle hat er auf Erden gehabt, zeitweise, ab und zu auch mal etwas Besseres, aber jetzt hat er den Himmel.

Der Tod eines Alkoholikers - Predigt zum Tod eines 39-jährigen

Matth. 11,28: Jesus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.

NN ist aus dieser Welt abberufen worden. Er ist nur 39 Jahre alt geworden. Richtig heimisch hat er sich in dieser Welt anscheinend nicht wirklich gefühlt.

Als zweitjüngster von insgesamt sechs Kindern wurde er am 2.April 1967 geboren und wuchs in Moordorf auf. Er war - wie man so sagt - ein lieber Junge: tierlieb, hilfsbereit und fleißig - aber auch beeinflussbar und angepasst. Solche Jungen haben es oftmals nicht leicht, ein gutes eigenes Selbstwertgefühl zu entwickeln, Kinder und Jugendliche untereinander sind mitunter grausam und verletzend, und wer da als lieber Junge reagiert, sich zurückzieht, der hat es schwer. So könnte es bei NN gewesen sein, und dann starb die Mutter, und ihm fehlte die innere Kraft, von zu Hause aufzubrechen, um seinen eigentlichen Berufswunsch umzusetzen, eine Lehre auf einem Bauernhof zu beginnen; das wäre es gewesen: für Tiere zu sorgen, vielseitig Innen- und Außenarbeiten; aber es ging nicht, das Heimweh war zu stark; ein Aufbruch war nicht möglich. Und so fand NN nie richtig ins Berufsleben; VW mit Schichtdienst und akribischer Arbeit am Band ist für einen naturorientierten Menschen eine Strafe; das konnte nicht lange gut gehen, und später blieb es dann bei Gelegenheitsarbeiten und Tätigkeiten im 2.Arbeitsmarkt. Das alles tut dem Selbstwertgefühl gar nicht gut; man hat das Gefühl, anders zu sein als die anderen, irgendwie das Leben nicht zu packen.

Dabei konnte er gut arbeiten. Bei den Geschwistern wurde er gern angefragt, wenn am Haus oder im Garten etwas zu tun war.

Doch das ist nicht das Lebensziel. Und wenn es sich nicht in der Wirklichkeit umsetzen lässt, dann beginnt das Träumen. Die erste Möglichkeit, aus der Realität auszusteigen, war für NN die Musik und die Texte von Peter Maffey. Der Steppenwolf auf dem offenen Sarg symbolisiert dieses, sein Traumbild. Der unabhängige einsame Kämpfer. NN war das nie, aber er träumte davon, es zu sein. Peter Maffey hat 1978 diesen Song geschrieben, für ihn war es der Durchbruch vom seichten Schlagerstar zum eigenen und persönlichen Musikstil. Diesen Durchbruch hat NN für sich nicht geschafft. Aber er hat davon geträumt. Wenn es allein die Musik gewesen wäre, dann hätte sie Antrieb sein können, den eigenen Lebenssinn zu entdecken und umzusetzen. Doch es kam eine zweite Traumwelt dazu, die selbstzerstörerische Droge Alkohol.

Der Halt durch Ehefrau und Kind reichte nicht aus als Gegengewicht. Sein eigenes Selbstwertgefühl, der eigene Antrieb kam nicht zum Zuge. Vielleicht, wenn sich sein Schutzengel meldete, wenn er nachts wach lag - und das ist bei Alkoholproblemen und bei sonstigen Lebensproblemen mit Sicherheit der Fall gewesen - dann hat N dieses Wachsein nicht als Botschaft seines Schutzengels verstanden, der ihm die Gelegenheit gab, über sein Leben nachzudenken. Dann ist es gefährlich, diese zunächst leise Stimme mit Musik zu übertönen oder mit Alkohol oder Schlaftabletten abzuschalten.

So ging der verhängnisvolle Weg weiter. Trotz alledem hielt er die Verbindung zur Tochter, zur älteren Schwester - war - bei allem Wissen um seinen Zustand - trotzdem relativ beliebt bei den Nachbarn in Neu-Barstede, weil er immer noch „ein lieber Junge“ war.

Es ist sehr schade, dass viele Hilfsangebote vergeblich waren. Aber so ist das oftmals bei dieser Krankheit. Wer nicht die Botschaft auf sich wirken lässt: ich muss aufhören mit Trinken - wer das nicht schafft, der ist verloren. - Verloren in diesem Leben.

Aber die Barmherzigkeit Gottes ist größer als dieses Leben. Das Jesuswort „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“, das gilt über dieses Leben hinaus. Die kleine Insa hat es mit ihren Worten ausgedrückt: „Jetzt hat er’s so gut wie Papa!“ Oder wie wir vorhin gesungen haben: „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.“

Was ist die Lebensbotschaft von NN an uns Hinterbliebene? Sie fällt je nach unserer Lage sehr unterschiedlich aus. Wer alkoholgefährdet ist, für den ist die Botschaft deutlich: Achte auf dich, nimm dich in Acht, höre auf die Botschaft deines Schutzengels und hör auf zu Trinken! Wer helfen will, zum Beispiel wir Pastoren oder Ärzte, oder Geschwister, Nachbarn, Kollegen, Freunde - für uns gilt: ein erhobener Zeigefinger allein nützt gar nichts, sondern beides: die Wertschätzung und der Hinweis auf die Gefahr. Mit anderen Worten die menschenfreundliche Haltung, die Jesus den Gefährdeten entgegengebracht hatte - und die oftmals zum Heil führte.

So geben wir jetzt alle schweren Gedanken und Sorgen ab in Gottes Hand. Wir können uns nicht allein, nicht aus eigener Kraft aus allen Problemen befreien. Aber wir können offen sein für Gottes Stimme, für die Botschaft unseres Schutzengels, der auch zu uns kommt und uns helfen will. Amen.

Ein sehr interessantes und hilfreiches Buch:

David Schnarch: "Die Psychologie sexueller Leidenschaft" - Dazu die folgende Rezension:

Rezensentin/Rezensent: Yvonne Omelianenko "Yonko" (Edenkoben)
    
Kaum ein Buch hat mich in meinem Leben so voran gebracht wie dieses. In unglaublich repektvoller und dennoch expliziter Art vermittelt David Schnarch tiefe und spirituelle Einsichten in die Bedeutung der Sexualität für das Menschsein und für die monogame Zweierbeziehung. Er zeigt Wege auf, wie man als Paar wirklich verbunden und gleichzeitig eine eigenständige Person sein kann. Anhand von Fallbeispielen und in tiefgreifenden theoretischen Ausführungen erklärt er das Wesen der Leidenschaft und gibt uns die Hoffnung zurück, die wir so dringend brauchen: Es ist möglich, in langjährigen monogamen Beziehungen eine leidenschaftliche und erfüllte Sexualität zu leben und zu erleben - auch nach Jahren verzweifelter Frustration. Der Leser erkennt Sehnsüchte, die er sich auf Grund des in unserer Gesellschaft verzerrten und an Äußerlichkeiten und Jugendwahn orientierten Bildes von Sexualität nicht erlaubte zu haben.

Begehren, Verlangen und Leidenschaft werden neu definiert und wieder möglich. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch - nicht immer leicht zu lesen, sicher nicht leicht zu verdauen, aber in jedem Fall eine Reise in Ihre innersten Sehnsüchte.

Missionare in Südbrookmerland (Artikel vom 19.11.05) - Leserbrief an die Ostfriesischen Nachrichten, verfasst am 22.11.05

Vielen Dank für die Reportage!

Werner Jürgens hat konkret und mit viel Hintergrund-Informationen aufgezeigt, wie eine fundamentalistische Gruppe Jugendliche an sich bindet. Die große Gefahr solcher Gruppen ist die "Gehirnwäsche" bei ihren Mitgliedern. Dabei benutzen die Gruppenleiter die Bibel und insbesondere die Gestalt Jesus selbst ironischerweise dazu, um ähnlich wie damals die Schriftgelehrten und Pharisäeer ein buchstabengläubiges und gesetzliches Glaubenssystem als Heilsweg anzupreisen.

Die Kritik an den "Glaubenstechniken" (Lobpreis, Handauflegen, Trancezustände) halte ich allerdings für überzogen; Jugendliche suchen in der Religion emotionale Wärme und Begeisterung, auch Trance; und wo Religion verkopft daherkommt, da ist der normale Religions- und Konfirmandenunterricht tatsächlich "total öde und langweilig".

So gesehen könnte der "Erfolg" der Südbrookmerländer Missionare hoffentlich dazu führen, dass unsere Amtskirchen intensivere Formen der Jugend- und Gemeindearbeit entwickeln.